das goldene Kind
eine kurze Prise Kauderwelsch über das, was uns am Laufen hält.
In unbeschreiblich fernen Weiten,
an Orten, die noch nie besungen,
sind die schönen, goldnen Zeiten,
seit Äonen schon verklungen.
Die zerklüftete Ödnis wurd durchkämmt,
die Bewohner stetig nahrungssuchend,
zerbrochen ist ihr Volk in Stämme,
und ihr Gedankengut verrucht.
Inmitten dieser tristen Trauer,
ward einmal ein Kind geboren,
welches in nur kurzer Dauer,
erlangte, was der Rest verloren.
So tatenfroh wie jüngst kein Zweites,
ein Geist so scharf wie Klingenschneid,
Charme war für es stets ein Leichtes,
Besonnen lebte es im Leid.
Und war der Winter wieder härter,
säumten Statuen die Straßen,
doch dieses Kind wuchs immer stärker,
ließ sich vom Schnee niemals begraben.
Und war der Sommer wieder heißer,
und ließ die Menschen ausgedörrt,
so lebte es ein wenig leiser,
um die Schwachen nicht zu stören.
Drum war es kaum verwunderlich,
dass es bereits in jungen Jahren,
das Oberhaupt des Stammes wurde,
um seiner Leute Glück zu wahren.
Doch hatte es schon lang Visionen,
Die wie pure Ekstase schienen
wie sehr würde es sich doch lohnen,
schlössen alle Völker Frieden.
Der ganze Stamm zog bald hinfort,
zog staubwirbelnd durch die Wüste,
suchend nach dem Rest des Volks,
Dreck und Blut an ihren Füßen.
Sie stießen bei den Mächtigen
auf Unverständnis, Spott und Hohn,
nur die Armen und Geächteten,
sind zuhauf mit ihnen geflohen.
Sie nannten es das Goldne Kind,
so wie das, was es versprach:
Die Zukunft bringe Kraft und Sinn,
Für Menschen aller Stämme Art.
Und alsbald wurd die Masse größer,
Ein Meer aus Hunger und aus Hoffnung,
Angeführt von ihrem Erlöser,
stießen sie schon bald ihr Joch um.
Denn das Meer begann zu tosen,
rasend gegen ihre Führer,
sie hätten sie ja angelogen,
doch nun schienen sie viel klüger.
Verbrannt wurden die Oberhäupter,
geschlachtet alle in Kontrolle,
Denn nur als freie, gleiche Leute,
lebten sie bis in die Vollen.
So war das Volk endlich vereint,
gewonnen war jedoch nicht viel,
so machte man sich schnell bereit,
Das Land erneut zu überziehn.
Es formten sich rasch neue Städte,
Der Fortschritt hielt fortan den Einzug,
Man schuf sich eine Etikette,
das Leben schien geprägt von Reichtum.
Das goldne Kind saß auf dem Thron,
herrschte stets gerecht und gütig,
bekam nun den gerechten Lohn,
doch wurde trotzdem niemals müßig.
Die Jahre strichen in das Land,
es formten sich neue Begehren,
und so wurde irgendwann bekannt,
man möchte seine Freiheit ehren.
Ein Feiertag sollte entstehen,
mit Festessen, Gesang und Wein,
Nur blieb man an der Frage kleben,
welches Datum würde es sein?
Für viele war es der Moment,
in dem der Staat gegründet wurde,
für sie sei es leicht zu erkenn‘,
dass hier der Grund besteht zum Jubeln.
And’re gaben zu verkünden,
dafür gäbe es nur eine Wahl,
der Geburtstag des erlauchten Kindes,
denn durch es wurden Träume wahr.
Sie diskutierten laut und lang,
stritten plötzlich über Vieles,
schnell lag es klar auf der Hand,
wie viel Wut sich verbarg in ihnen.
Und leider liegts in der Natur,
von allen Menschen, Jung und Alt,
sie bleiben störrisch, stelln sich stur,
da wurden Freudenzeiten kalt.
Längst hatten sie es vergessen,
was sie hatten, welche Rechte,
die Straßen fingen an zu brennen,
und mancher Bürger wurd zum Schlächter.
Im Schatten dieser Feuerbrunst,
bestehend aus kochenden Köpfen,
floh das Kind, voller Verdruss,
Und schwor sich, nie wieder zu schöpfen.
Einsam zog es durch den Staub,
ein armes Kind, die Augen offen,
wie es einst hatte geglaubt,
so konnte es nicht mal mehr hoffen.
Die Jahre war’n ins Land gezogen,
Das greise Kind, beinah zerbrochen
Die Sonne brannte heiß von oben,
des Kindes Herz so hart wie Knochen.
Da stieß es auf alte Ruinen,
abgeschmirgelt durch den Sand,
die einst wohl gewaltig schienen,
größer als alles, was es gekannt.
Schweigend voller Schreck und Staunen,
Durchlief es die alten Gemäuer,
wessen Werk war’n diese Bauten,
und der Zerstörer, welches Ungeheuer?
Und wie es beinah schon gedacht,
dieser Ort sei längst vergessen,
rüstete es sich zur Nacht,
und erhaschte den Geruch von Essen.
Stirnrunzelnd stakste es umher,
die alten Glieder voller Staub,
Da fand es, gar nicht weit entfernt,
Die Tür zu einem kleinen Haus.
Ein Kreis voll Männer, Alt und Jung,
saßen drinnen im Kerzenschein,
Wie sie das greise Kind erhaschten,
baten sie es flugs herein.
„Komm, und setz dich bitte zu uns,
bleib nicht in der Kälte stehn,
Dich interessiert nicht mehr die Zukunft
willst wohl wissen, was hier geschehn.“
Und das Kind lauschte bedächtig,
Was in der Ödnis einst floriert
von Städten, die so groß und prächtig,
Selbst Gott war von ihnen pikiert.
Bis er schickte in seinem Zorn,
Wahnsinn in brave Bürgerköpfe
Sodass diese fast sofort,
aus der Gewalte Tiefen schöpfen.
Da musste das Kind lauthals lachen,
bevor es trüb zu Boden sank,
Warum, trotz aller schönen Sachen,
wird jeder Mensch irgendwann krank?
Vor 4 Jahren war das noch mein Meisterwerk. Jetzt hingegen schäme ich mich schon fast dafür, damals mit einem solchen Konzept so stümperhaft umgegangen zu sein, und musste schon wieder einiges anpassen, bevor ich mich überhaupt ansatzweise traue es zu veröffentlichen. Fairerweise muss man sagen, dass ich mich durch die fehlende Geschlechtsnennung der zentralen Figur selbst stark in meiner Wortwahl eingeschränkt habe, was gleichzeitig aber auch einer der zentralen Aspekte dieses Gedichts ist. Denn jeder kann, ungeachtet seiner äußeren Merkmale zum Helden werden. Und jeder Held weiß, dass es am Ende doch nichts bringt, dass ein Happy End eigentlich nur eine Fortsetzung bedeuten kann, bis alles irgendwann zerstört ist, und man zu müde ist, um weiterzukämpfen. Nur um dann von Marvel oder Disney wieder ausgegraben zu werden, diesen kreativ bankrotten Irrenhäusern. In jedem Fall wünsche ich euch viel Spaß mit diesem Versuch eines kleinen Epos meinerseits.
gezeichnet,
kamtschattka